Ü.02: Summerschool
Teilnehmer der fünften Trierer Summerschool

 

Ein Angebot, das nicht auszuschlagen ist

6. Trierer Summer School on Social Network Analysis

 

Seit sechs Jahren bietet die »Trierer Summer School on Social Network Analysis« NachwuchswissenschaftlerInnen der geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fächer einen einwöchigen Intensivlehrgang zur Sozialen Netzwerkanalyse (SNA). Sie erhalten eine anwendungsorientierte Forschungsberatung sowie Hilfe bei den ersten Schritten in einer innovativen und hoch akutellen Forschungsrichtung.

Längst ist das Trierer Angebot kein 'Insider-Tipp' mehr: Die Teilnehmer reisen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an. Meist haben sie die School auf der Suche nach ähnlichen Angeboten im Internet entdeckt; oftmals wurden sie von Kollegen oder Freunden auf die Schulung aufmerksam gemacht. Der Wissensdurst ist groß, die Erwartungen sind hoch. Da ist es ein gutes Gefühl für Dozenten und Organisation, dem wachsenden Anspruch immer wieder gerecht zu werden.

Dieses Jahr erzählen Teilnehmer im Interview aus erster Hand von Ihren Erwartungen und Erfahrungen mit der Trierer Summer School:

 


 

Anne Elise Liskowsky und Anja Schädel (vlnr.) beim

 

„Mir ist regelrecht ein Stein vom Herzen gefallen.“

Anne Elise Liskowsky und Anja Schädel berichten von ihren Motivationen, Wünschen und Erfahrungen bei der Summer School.


Frau Liskowsky, Frau Schädel - können Sie kurz Ihren Forschungshintergrund beschreiben?

Liskowsky: Wir arbeiten seit Anfang des Jahres in einem Team von drei wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen am Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD, Hannover. Wir sind dort mit der 5. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU) betraut. Die Erhebung wurde 1972 zum ersten Mal gemacht und seither alle 10 Jahre durchgeführt. Der erste Teil ist eine repräsentative Umfrage, bei der deutschlandweit ca. 3.000 evangelische Kirchenmitglieder und Konfessionslose befragt werden. Es geht darum, den Einstellungswandel der Mitglieder sowie ihre Sozialisation zu erfragen. Dabei erheben wir auch Daten zum gesellschaftlichen Engagement der Befragten und zu religiösem Pluralismus. Ein großer Teil der Untersuchung ist dieses Jahr erstmalig eine SNA.

Wie haben Sie von der Trierer Summer School erfahren?

Liskowsky: Ein ehemaliger Kommilitone aus Leipzig, mit dem ich in Kontakt stehe und der vor drei Jahren an der Summer School teilgenommen hat, hat mich darauf hingewiesen.

Wie hat sich Ihr Blick auf die Soziale Netzwerkanalyse nach der Summer School verändert?

Schädel: Dass wir eine soziale Netzwerkanalyse machen sollen, steht seit Juni fest. Was wir uns bis dahin über die Methode angelesen hatten, hätte einfach nicht gereicht, um das Projekt bewältigen zu können. Wir brauchten Experten, die über Erfahrung verfügen und sich wirklich damit auskennen.

Liskowsky: Durch die methodisch-systematische Einführung in die Netzwerkanalyse können wir nun die Vor- und Nachteile verschiedener Herangehensweisen einschätzen. Dabei war gerade die Forschungsberatung besonders hilfreich.

Was haben Sie an der Summer School besonders geschätzt?

Schädel: Die Einführung in die Egonetzwerkanalyse war toll. Wir hatten im Vorfeld viel gelesen und im Wesentlichen festgestellt, dass jeder etwas anderes sagt. Es war gut, hier systematisch an die Methode herangeführt zu werden, und immer wieder Rückfragen stellen zu können. Besonders hilfreich war, dass die Dozenten immer deutlich machten, welche Verfahren auch mit welchen Problemen behaftet sind. Da sie auf vielfältige Erfahrungen zurückgreifen konnten, hatten sie flexible Lösungen für alle möglichen Probleme - auch im Umgang mit SPSS, das ja nicht unbedingt für die SNA geschaffen ist. Als wir neben soliden Berechnungen dann auch noch gelernt haben, wie man das Ganze sauber operationalisieren kann, ist mir ein regelrechter Stein vom Herzen gefallen.

Liskowsky: Was kann man mit der Netzwerkanalyse erheben, welche Logik steckt dahinter? Es hat mir sehr geholfen, das einmal im Detail zu erfahren. Ich habe in der Woche ein sehr viel klareres Bild von meinen Forschungsfragen entwickelt.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Eva Jullien in der Forschungsberatung bei Dr. Richard Heidler

„Ohne die Teilnahme an der Summer School hätte ich mein Thema nicht bearbeiten können.“

Eva Jullien ist bereits zum zweiten Mal Teilnehmerin der Summer School und schätzt die intensive Forschungsberatung durch die Dozenten.

 

Frau Jullien, können Sie kurz Ihren Forschungshintergrund beschreiben?

Jullien: Ich promoviere an der Universität Luxemburg bei Prof. Dr. Michel Pauly zum Thema Handwerker im Spätmittelalter in der Stadt Luxemburg. Ich analysiere die wirtschaftliche und soziale Struktur dieser Gruppe – ein genuin sozialgeschichtliches Thema, das mein eigenes Interesse widerspiegelt. Ursprünglich war das Thema technikgeschichtlich ausgerichtet.

Wie haben Sie die Soziale Netzwerkanalyse als Methode für Ihr Thema entdeckt?

Jullien: Während des Studiums in Trier habe ich nie von der Sozialen Netzwerkanalyse gehört. Bei der Recherche zu meiner Doktorarbeit bin ich in der Sekundärliteratur dann auf die Methode gestoßen. Allerdings habe ich hauptsächlich Autoren gelesen, die zwar von sozialer Netzwerkanalyse gesprochen, sie aber nicht angewendet haben. Daraufhin habe ich erst einmal gründlich recherchiert und die Einführung von Dorothea Jansen gelesen. Angesichts der Komplexität des Themas bin erst einmal etwas verzweifelt. Mein Wissen aus der Literatur hätte ich gar nicht methodisch umsetzen können. Gott sei Dank habe ich die Summer School über H-Soz-u-Kult gefunden – inzwischen bin ich das zweite Mal dabei.

Wie hat sich Ihr Blick auf die Methode nach der Summer School verändert?

Jullien: Bereits die Forschungsberatung im letzten Jahr hat mir weitergeholfen, meine Fragestellung zu operationalisieren und umzusetzen. So konnte ich meine Grundlagen in Hinblick auf die diesjährige School vorbereiten und anhand der Quellen die Grundlagen für die Analyse erarbeiten; jetzt steht die Auswertung bevor. Auch in diesem Jahr waren die ersten zwei Tage wieder inspirierend und brachten neue Erkenntnisse, selbst wenn ich die Inhalte ja schon kannte. Aber es ist schon sehr anstrengend – mein Kopf ist dauernd am rotieren.

Was gefällt Ihnen an der Stadt Trier als Veranstaltungsort besonders?

Jullien: Mein Tipp: Unbedingt Trier von oben ansehen und auf die Mariensäule hochsteigen - am besten mit einer Flasche Wein. Ich mochte mein Studium in Trier und die Studienbedingungen haben mir sehr gute Grundlagen mitgegeben. Ich würde jedem das Studium hier empfehlen.

Frau Jullien, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Mart Verhoog auf der Summer School

 

„Ich dachte immer, dass ich das so machen könne. Nun weiß ich, dass dies der richtige Weg ist.“

2012 hat die Teilnahme für Mart Verhoog endlich geklappt. Das Warten hat sich gelohnt.

 

Herr Verhoog, woran forschen Sie derzeit?

Verhoog: Ich arbeite als externer Doktorand bei Prof. Manfred Kirchgeorg an der Handelshochschule Leipzig in der Marketingforschung, genauer gesagt in der Konsumentenverhaltensforschung im Bereich Nachhaltigkeit. In meiner Dissertation geht es um den Entscheidungsprozess, energetische Maßnahmen im Wohnbau umzusetzen wie etwa den Einsatz von Dämmstoffen oder zum Beispiel energiesparenden Fenstern. Wie lässt sich die Energieeffizienz erhöhen? Momentan wird ein Drittel des Energieverbrauchs in Deutschland für das Beheizen von Gebäuden verwendet. Es geht darum, diesen Konsum zu begreifen, zu senken um damit zur Energiewende beizutragen.

Wie sind Sie auf die Trierer Summer School für Netzwerkanalyse aufmerksam geworden?

Verhoog: 2010 bin ich aus dem Beruf ausgestiegen und widme mich seitdem der Doktorarbeit. Seit zwei Sommern suche ich nach einer passenden Summer School, bei der ich das Thema Nachhaltigkeit mit sozialer Netzwerkanalyse kombinieren kann. Ich sehe solche Veranstaltungen als Forum, Leute zu treffen, zu diskutieren und den aktuellen Forschungsstand kennenzulernen. Bereits 2011 bin ich im Internet nach monatelanger Suche durch einen Zufallstreffer auf die Trierer Summer School on Social Network Analysis gestoßen. In dem Jahr wurde mein Sohn geboren – deswegen war das Zeitfenster zu knapp. In diesem Jahr passt der Termin sehr gut in meinen Zeitplan: Mittlerweile habe ich den Datensatz und sitze an der Auswertung.

Wie können Sie die Soziale Netzwerkanalyse in Ihr Forschungsthema einbringen?

Verhoog: Der Entscheidungsprozess, energetisch zu sanieren oder zu bauen, ist sehr komplex. Es gibt viele Stakeholder, die mitentscheiden wollen - Architekten, Handwerker, Banken und, wenn es genehmigungspflichtig ist, auch Behörden. Um die Beeinflussung des Bauherrens zu betrachten und zu analysieren eignet sich die SNA. Ich will vor allem eine robuste quantitative Analyse machen. Die SNA hilft, hierfür ein fundiertes Zahlenwerk zu erstellen. Hinzu kommt, dass ich meine Empirie über die Daten meines Koorperationspartners co2online in Berlin aufbauen konnte, die Beratung im Internet hinsichtlich Energieeffizienz anbieten und über entsprechende Datenbanken verfügen. Hier kamen meine Erfahrungen durch die Tätigkeit in Bauindustrie und mein Interesse am Thema Nachhaltigkeit zusammen.

Welche Perspektiven hat Ihnen die Summer School auf die Netzwerkanalyse eröffnet?

Verhoog: Schon allein die ersten zwei, drei Tage haben zu einer Verfestigung der Methode bei mir geführt. Ich habe ein klareres Bild davon, wie das Feld aufgebaut und entstanden ist. Während der eigenen Lektüre hatte ich darüber etwas den Überblick verloren. Nun kenne ich sogar die Feinheiten – Parameter, die berechnet werden können und die ich in meiner Analyse einsetzen kann. Es ist ein guter Mix aus neuem Wissen und Orientierung, wo ich vorher unsicher war. Wichtig ist auch die Bestätigung, dass die eigenen Überlegungen in die richtige Richtung gehen. Das gibt mir Sicherheit im Forschungsprozess. Ein Beispiel: Mit der Auswertung der erhobenen Netzwerkdaten in SPSS hatte ich bis jetzt gewartet. Ich hatte zwar eine Vorstellung, wie man sie angehen könnte, der Weg schien mir aber etwas umständlich. Jetzt hat sich bestätigt, dass der angedachte Weg richtig ist und es keine Alternativen gibt. Es scheint ein banales Ergebnis und etwas ernüchternd, zeigt aber auch, dass ich den richtigen Instinkt hatte.

Herr Verhoog, was hat Ihnen an Trier besonders gefallen?

Verhoog: Ich habe gestern das Geburtshaus von Karl Marx besucht. Die Ausstellung war sehr interessant, obwohl seine wichtigsten Werke ja nicht hier in Trier entstanden sind. Ich freue mich auch auf den geselligen Abend bei einem Glas Wein und die Stadtführung, um Trier noch besser kennenzulernen.

Besten Dank für das Gespräch.

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