II.08: Konfessionelle und überkonfessionelle sowie interreligiöse Netzwerke in den ostgermanischen Nachfolgestaaten des Imperium Romanum: Arianisch-orthodoxe sowie pagan-christliche Beziehungsgeflechte bei Vandalen, Ostgoten und Westgoten
Die Konversion des Rekkared

Überkonfessionelle Netzwerke

Das Projekt untersucht die religiös, aber auch ethnisch und sozial bestimmten Netzwerke, die in den Reichen der Vandalen, Ostgoten und Westgoten das Zusammenleben der jeweiligen Bevölkerung bestimmten. Dabei wird besonderes Augenmerk auf den angeblich so neuralgischen religiösen Bereich gelegt, in dem sich die Lage noch komplizierter darstellt, als bis in jüngste Zeit in der Forschung angenommen. Hier gilt es, nicht allein den Gegensatz zwischen Arianern und Orthodoxen oder die Lage der Juden zu betrachten, vielmehr müssen auch pagane Strömungen berücksichtigt werden, die durchaus wieder an Bedeutung gewannen, bislang aber im wissenschaftlichen Diskurs praktisch ausgeblendet wurden. Für die „staatstragenden“ Schichten wird die Kollaboration in überkonfessionellen Netzwerken als ein konstituierendes Element deutlich. Ein besonderer Reiz des Projektes geht von der vergleichenden Betrachtung der Verhältnisse in allen drei ostgermanischen Reichsbildungen aus. Der weit gefasste Fokus macht aber auch eine sinnvolle Begrenzung der Beobachtungen auf einige entscheidende Vernetzungsphänomene erforderlich. Es wird keine religionsgeschichtliche Überblicksdarstellung angestrebt test.

Informationen zum Netzwerkansatz des Projekts finden Sie hier.

Stabilisation durch Interaktion

Das gegenseitige Verhältnis von arianischer Oberschicht und überwiegend katholischer Bevölkerung in den gotischen und vandalischen Reichsgründungen auf römischem Boden stand schon immer im Blickpunkt des historischen Interesses, sobald selbiges sich auf die schwer zu überblickende Transformationszeit von Spätantike und frühem Mittelalter richtete. Doch während ältere Pauschalurteile, die dem Toleranzkonzept eines Theoderich in Italien die schweren Katholikenverfolgungen unter Geiserich und seinen Nachfolgern in Nordafrika gegenüberstellten, mittlerweile aufgegeben werden, ist bis heute dennoch weitgehend unpräzisiert geblieben, wie sich die scheinbar schwierige Zusammenarbeit zwischen beiden Konfessionsgruppen im konkreten Fall äußerte. Dass es eine solche Zusammenarbeit jedoch gab, beweist allein die beachtliche Existenzdauer der Germanenreiche, welche vor dem Hintergrund beständiger innenpolitischer Konflikte auf der Basis unüberbrückbarer religiöser Differenzen kaum zu rechtfertigen wäre. Im Gegenteil scheinen gerade überkonfessionelle Netzwerke eine erhebliche Rolle bei der Stabilisierung der germanischen Herrschaften gespielt zu haben. Das Projekt möchte solche überkonfessionelle Interaktion im Inneren wie Äußeren aufspüren und nicht zuletzt anhand der Sozialen Netzwerkanalyse in ihrer Struktur erfassen.


Wählen Sie eines der Germanenreiche für nähere Informationen: